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Struktur- und Familienaufstellungen

Familienaufstellung - was ist das?
Die liebe Familie
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Bert Hellinger
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Als ich das erstemal das Wort Familienaufstellung las, hinterliess es mir jenes fade technische Gefühl wie so manch andere Bezeichnung von Modellen, die auf das so vielschichtige Wesen Mensch gestülpt werden, in der Hoffnung, ein klein wenig mehr zu verstehen.

Es verstrichen einige Monate...

Wir treffen uns im Freiraum, sinnigerweise; ein schöner, grosser Raum mit Holzboden, teilweise freigemachtes Mauerwerk lugt hervor, Sitzkissen und Decken entlang der Wänden, im Kreis.
Ich bin neugierig und etwas nervös. Es ist das erstemal, dass ich hier bin und das, worum es geht, kenne ich nur von Beschreibungen anderer, vermischt mit dem unbestimmten Gefühl, dass es für mich irgendwie wichtig sein könnte.

Anstatt erst einmal beobachten zu können wie "es" geht, werde ich gleich bei der ersten Aufstellung gefragt, ob ich die Rolle der Mutter übernehmen möchte. Ich werde an der Hand geführt.
Da, ja, das ist gut hier, das ist der richtige Platz.
Hm, nein etwas mehr nach links, ja.
Nun lässt die Hand mich los, das ist also der richtige Platz.
Hm, denke ich, interessant.

Und dann passiert etwas Verblüffendes. Ich werde plötzlich mit ganz anderen Gefühlen bestückt, ich fühle meinen Körper anders als sonst und die Stimmung ändert sich. Und als noch mein Sohn vor mich hingestellt wird, bin ich innerlich in eine Furie verwandelt, der Platz, auf dem ich stehe, gefällt mir gar nicht mehr, und ich möchte am liebsten davonlaufen....

Was geht da vor sich?
Eigentlich ist es ja ganz einfach. Es stellt jemand, der z.B. seine Ursprungsfamilie anschauen möchte, alle beteiligten Personen auf, d.h. Vater, Mutter, Brüder, Schwestern ... Er sucht sich aus den hier Anwesenden den entsprechenden Vertreter aus, der diese Rolle spielt. Stellt jeden Beteiligten so auf im Raum, wie es ihm richtig erscheint, nebeneinander, auseinander, gegenüber etc.
Der Leiter der Aufstellung stellt gezielte Fragen, die Darsteller geben Antwort und das Übrige passiert einfach...
Das Faszinierende an der ganzen Geschichte ist, dass es funktioniert und auf unerklärliche Weise auch Verschwiegenes oder Vergessenes zu Tage fördert und so Lösungen von Trauer, Wut, Ohnmacht u.v.m. möglich macht.

Ich wage den Versuch und stelle mein Ich und meine nun schon ernst gewordene Krankheit mit Hilfe zweier Darsteller in den Raum. Es macht mir Sinn, dass ich die Krankheit vor das Ich stelle, sehr dicht.
Ich spüre, weiss, dass es genau meiner Situation entspricht.
Dann setze ich mich wieder hin, in der Mitte die beiden Figuren hintereinander stehend.
Noch bevor die Leiterin der Aufstellung, Helena Krivan, die kleine Gruppe erreicht, beginnt das Ich sich zu krümmen wie eine Blume die verdurstet, der Kopf an der Krankheit angelehnt.

"Wie geht es dem Ich?", fragt Helena.
"Mich zieht es zu Boden, mir geht es ganz schlecht!"
Wie geht es der Krankheit? "Mir geht es sehr gut! Ich fühle mich stark und lebendig."
Das Ich bekommt mehr und mehr unsicheren Stand, es ruft: "Meine Knie! Meine Knie, ich kann sie nicht biegen, sie sind steif, es drückt sie nach hinten!" Dabei hält es sich an der Krankheit fest, um nicht hinzufallen...

Es braucht sehr viel Einfühlungsvermögen und Gespür, um die richtigen Fragen im richtigen Moment zu stellen.
Es braucht geschulte Beobachtung, um die vielen kleinen Details wahrzunehmen. Helena ist eine Meisterin, sie versteht ihre Arbeit.
Einwände wie: das ist doch alles Theater! oder: Ist doch nur ein Zufall! haben keinen Bestand, denn die Sprache, die mir dies Schauspiel bot, die von mir ausgesuchten Darsteller, die keine Ahnung von meiner Krankheit hatten, war deutlich und gab mir mehr als nur eine Antwort.

Es funktioniert, sagt der Verstand.
Es berührt die Essenz, sagt das Herz.
Es erinnert an die vergessene Kraft, die alles erschafft, sagt die Seele.

© GB Steijn 2000